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Das Informatikstudium

Im Netz beschäftigen sich viele Seiten mit dem Thema "Studium der Informatik", und jede Uni hat etwas dazu zu sagen (mal mehr, mal weniger ausführlich). Wozu also dieser Text? Nun, nicht immer gefällt mir, was andere Leute über die Informatik oder ihr Studium so schreiben (manchmal entsteht ein falsches Bild), daher möchte ich das einfach mal selbst machen. Und zwar in Form einer Art FAQ.

Es geht um das Studium der Informatik an der Universität, nicht an der Fachhochschule. Das ist durchaus ein wichtiger Unterschied, denn FHs legen andere Schwerpunkte als Unis. So wird etwa an der FH der Lehre ein größerer Stellenwert zugewiesen (wie man mir mitgeteilt hat, ich selbst habe keine Erfahrungen an der FH und kann daher auch keine Fragen dazu beantworten).

Die folgenden Fragen stammen zu einem gewissen Teil aus den Suchanfragen, mit denen Besucher auf diese Seite gefunden haben. Ich versuche also, mich auf mein Publikum einzustellen ;)

Was ist Informatik? bzw. Worum geht es eigentlich in der Informatik?

Diese Frage gehört zu den schwierigsten. Denn anders als etwa für die Physik oder Mathematik gibt es für die Informatik keine einheitliche Definition, über die sich (mehr oder weniger) alle einig sind. Deswegen muss man etwas mehr dazu sagen.

Die Informatik hat grundsätzlich zwei Seiten:

Die ingenieurwissenschaftliche Seite der Informatik legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung konkreter Lösungen für konkrete Probleme, z.B. Softwareentwicklung oder Bilderkennung. In diesem Zweig der Forschung macht man sich entsprechend Gedanken darüber, wie man soetwas am besten macht. Im Gegensatz dazu macht sich die mathematisch-formale Seite Gedanken über die Gesetze, Möglichkeiten und Grenzen, denen informatisches Denken und Handeln prinzipiell unterworfen ist. Dazu gehören zum Beispiel Fragen wie: "Was kann man überhaupt berechnen und was nicht?", "Was heißt eigentlich rechnen?", "Wie kann man Probleme klassifizieren?" Das sind theoretische Fragen, deren Sinn man intuitiv nur mit einigem mathematischen oder philosophischen Interesse nachvollziehen kann, aber sie haben auch für die Praxis große Bedeutung, denn man kann daraus vieles ableiten, was dem Praktiker hilft.

Oft hört oder liest man, in der Informatik ginge es "um die systematische bzw. automatische Verarbeitung von Informationen, besonders mithilfe von Rechenanlagen". Aber was heißt das eigentlich?

Ganz grob und allgemein: In der Informatik geht es um die abstrakte, formale Lösung von Problemen. Problemlösung ist in der Regel mit der "Verarbeitung" von Information verbunden, daher ist der Begriff "Informationsverarbeitung" durchaus nicht falsch, wenngleich etwas eindimensional. Ich persönlich würde den Fokus auf "Problemlösung" legen und nicht auf "Informationsverarbeitung", da letztere lediglich eine mögliche Konsequenz von ersterer ist. (Informationsverarbeitung ist übrigens etwas anderes als Datenverarbeitung, auch wenn das oft durcheinandergebracht wird, siehe weiter unten.) Die zu lösenden Probleme können selbst abstrakt sein oder auch ganz konkret der realen Welt entstammen. In letzterem Fall muss man sie zunächst formalisieren, das heißt, ein formales Modell entwickeln, in welchem man sie dann löst. Anschließend muss die formale Lösung wieder in die reale Welt "zurücktransformiert" werden. "Formal" heißt in diesem Kontext mathematisch. Wie mathematisch es wird, hängt von der jeweiligen informatischen Disziplin ab. Ein Mindestmaß an Mathematik ist aber immer dabei. Du bist im Informatikstudium richtig, wenn du Spaß am Problemlösen und Lust auf genau diese Art des Arbeitens hast.

Was macht man in einem Informatikstudium?

Die Inhalte eines Informatikstudiums entstammen den folgenden Gebieten (die im Studium natürlich nicht alle vollständig behandelt werden können!):

  • Mathematik
    • Lineare Algebra
    • Analysis
    • Numerik
    • Stochastik
    • Logik
    • Diskrete Mathematik
      • Gruppentheorie
      • Graphentheorie
      • Elementare Zahlentheorie
      • Kombinatorik
      • Boolesche Algebra
  • Theoretische Informatik
    • Berechenbarkeitstheorie
    • Komplexitätstheorie
    • Compilerbau
    • Verifikation
    • Automatentheorie
    • Formale Sprachen
    • Formale Semantik
    • Algorithmik
    • Mathematische Logik
    • Informationstheorie
  • Praktische Informatik
    • Programmierung
    • Softwaretechnik
    • Rechnernetze
    • Telematik
    • Betriebssysteme
    • Datenbanken
    • Algorithmen und Datenstrukturen
    • Mensch-Computer-Interaktion
  • Technische Informatik
    • Rechnerarchitektur
    • Elektrotechnik
  • Angewandte Informatik
    • Bioinformatik
    • Geoinformatik
    • Medizinische Informatik
    • Rechtsinformatik
    • Wissenschaftliches Rechnen
    • Computerlinguistik
    • Neuroinformatik
    • Wirtschaftsinformatik
    • Computergrafik
    • Chemoinformatik
    • Medieninformatik
  • Künstliche Intelligenz
    • Wissensbasierte Systeme
    • Spracherkennung
    • Data Mining
    • Maschinelles Lernen
    • Robotik
    • Bilderkennung
  • Anwendungsfach
    • Mathematik
    • Physik
    • Chemie
    • Biologie
    • Geographie
    • Maschinenbau
    • Elektrotechnik
    • Betriebswirtschaft
    • Jura
    • Medizin
    • Linguistik
    • Psychologie

Diese Aufstellung enthält alle Grunddisziplinen (Mathematik, Theoretische Informatik, Praktische, ...), die man normalerweise irgendwo, irgendwann einmal anschneidet, sowie einige Dinge, die bereits etwas spezieller sind (etwa Data Mining oder Computergrafik). Je nach Uni kommen andere dazu, fallen manche weg und werden Schwerpunkte gesetzt, das heißt, manche der aufgeführten Gebiete lernt man gar nicht kennen oder nur, wenn man sich darauf spezialisieren will. Außerdem gibt es innerhalb der verschiedenen Bereiche wiederum Unterpunkte, die ich natürlich hier nicht alle aufzählen kann. Zwischen ihnen gibt es oft Querverbindungen. Die Künstliche Intelligenz kann man nicht in das übliche Schema "Theoretische -- Praktische -- Technische -- Angewandte Informatik" einordenen, da sie neben eigenen Konzepten sehr viele Elemente aus den anderen Disziplinen enthält.

Was macht man als Informatiker? Wie sind die Jobchancen?

Allgemeine Fragen kann man auch nur allgemein beantworten: Die Jobchancen sind prinzipiell sehr gut. Bei den Details kommt es dann auf einen selber an, also zum Beispiel, wo landet man, in was für Projekten wird man eingesetzt etc. Es gibt sieben mögliche Einsatzorte:

Außer diesen grundlegenden Möglichkeiten stehen einem natürlich auch noch "Nicht-Standard-Karrieren" offen, wo man also in einen Beruf oder in eine Branche wechselt, der/die für einen Informatiker nicht unbedingt "vorgesehen" ist, etwa der Journalismus. In der Wirtschaft könnte man auch ins Management aufsteigen (Informatiker sind im Management allerdings ziemlich selten).

Was ist der Unterschied zwischen Daten und Information bzw. Datenverarbeitung und Informationsverarbeitung?

Daten sind, kurz gesagt, einfach nur Symbole, während eine Information die Semantik (Bedeutung) dieser Symbole unter einer gegebenen Interpretation ist. Das bedeutet unter anderem, dass Daten real existierende Entitäten sind, während Informationen rein abstrakte Ideen sind, die man im Gegensatz zu Daten nicht auf der Straße finden kann.

Beispiel: Betrachte die achtelementige Symbolfolge 65707065. Solange wir diese Symbolfolge nicht interpretieren, handelt es sich dabei um nichts weiter als ein Datum ohne Sinn. Aber welche Information kann dieses Datum nun tragen? Das hängt von der Interpretation ab. Zum Beispiel könnten wir die Folge als dezimale Kodierung einer natürliche Zahl interpretieren, dann stünde sie für die Zahl 65,707,065. Wir könnten sie aber auch als hexadezimale Kodierung begreifen, dann stünde sie für die Zahl 1,701,867,621. Oder wir könnten sie als Folge von zweistelligen ASCII-Codes begreifen, dann stünde sie für das Wort AFFE. Vielleicht ist es aber auch eine Telefonnummer oder das Ergebnis eines achtmaligen Würfelns mit einem achtseitigen Würfel. Unendlich viele weitere Interpretationen sind möglich. (Damit meine ich tatsächlich unendlich viele.)

In diesem Sinne ist Datenverarbeitung das Hin- und Herschieben von Bits (das machen hauptsächlich Elektrotechniker und Technische Informatiker), während Informationsverarbeitung weit abstrakter ist und auf einer Semantik von Bits stattfindet (also auf einer durch sie repräsentierten Information). Informationsverarbeitung setzt daher Datenverarbeitung voraus, dennoch ist aber der Begriff "EDV" im Prinzip nur korrekt, sofern er im Zusammenhang mit Elektrotechnik benutzt wird. (Aber Obacht: In der Informationstheorie spricht man stets von "Information", meint damit aber noch etwas anderes, nämlich die "Reduktion von stochastischer Unsicherheit". Es gibt also durchaus noch andere Möglichkeiten, den Informationsbegriff zu definieren.)

Was macht einen guten Informatiker aus?

Eine interessante bzw. gute Frage. Ich würde zunächst sagen, dass die Antwort davon abhängt, in welchem Bereich besagter Informatiker tätig ist, denn je nach Domäne gibt es unterschiedliche Anforderungen. Ein theoretischer Informatiker etwa benötigt weitaus weniger softwaretechnisches Talent als ein Software-Ingenieur; dafür braucht er mehr mathematisches Talent. Wie also soll man die Frage allgemeingültig beantworten?

Ich denke, um ein guter Informatiker zu sein, braucht man zunächst die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Das halte ich für wesentlich. Denn: Zum einen entsteht nur durch die zusätzliche Betrachtung fremder Disziplinen tiefes Verständnis für die eigene; zum anderen erhält man so wertvolle Anregungen für neue oder originelle Problemlösungsansätze.

Desweiteren braucht man Kreativität, also mehr oder weniger die Fähigkeit, sich einfach mal etwas Neues auszudenken, was andere einem nicht vorgekaut haben, und zwar natürlich nicht irgendwas, sondern etwas Sinnvolles. Zusätzlich braucht man häufig die Fähigkeit, die eigene Kreativität mit der anderer zu kombinieren, was nicht leicht sein muss. Das kann man nur durch Üben lernen.

Drittens sollte man über eine solide algorithmische Basis verfügen, also die grundlegenden Algorithmen und Datenstrukturen so gut kennen und verstanden haben, dass sie zu einem Teil des eigenen Denkens geworden sind. Das hilft überall, egal ob in der Praxis oder der Theorie. Je breiter das Repertoire von algorithmischen Methoden und Konzepten, desto besser. Falls man in die Praxis gehen möchte, ist es anzuraten, sich ein stabiles Fundament in theoretischer Informatik anzueignen. Damit meine ich vor allem die grundlegenden Resultate der Logik und Mengentheorie sowie der Komplexitäts- und Berechenbarkeitstheorie. Die wesentlichen Punkte sollte man durchaus im Kopf haben. (Der oft zitierte Spruch "man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht" darf nicht so verstanden werden, dass man nichts mehr wissen bräuchte. Denn wenn man zu wenig weiß, hilft einem ein Buch oder die Wikipedia auch nichts mehr, nämlich weil man einfach zu doof ist.)

Schließlich kommt es auf die Disziplin an, nämlich darauf, ob man ingenieursmäßig tätig ist oder nicht. Einem ingenieursmäßig tätigen Informatiker stellt sich nämlich die besondere Anforderung, dass sich seine Disziplin nicht vollständig formal präsentiert, was dazu führt, dass es sehr stark auf persönliche Intuition ankommt. Er muss in der Lage sein, die Situation korrekt einzuschätzen und die richtige Entscheidung zu treffen, und das nicht aufgrund von formalen Argumenten, sondern aufgrund von intuitivem Verständnis. Dabei muss er sehr genau erkennen, wann man besser einer Faustregel folgt, und wann es an der Zeit ist, eine zu brechen. (Es gibt zwar Bestrebungen, auch den ingenieursmäßigen Teil der Informatik immer weiter zu formalisieren, jedoch ist das bis heute nur in geringen Teilen gelungen.)

Was würde ich also einem Studenten raten, der ein besserer/guter Informatiker werden will?

Was bedeutet das Wort "formal" bzw. Was ist ein "formaler Beweis"?

Das Wort formal wird im informatischen Kontext in zwei Bedeutungen verwendet: a) umgangssprachlich und b) mathematisch.

Umgangssprachliche Bedeutung: Manche Leute benutzen das Wort "formal", wenn sie deutlich machen wollen, dass sie sich auf irgendetwas Festgelegtes oder Mathematisches beziehen. Zum Beispiel sprechen manche von einer "Formalisierung des Softwareentwicklungsprozesses". Damit meinen sie, dass genau festgelegt ist, wann wer was zu tun hat, dass alles Mögliche dokumentiert und kontrolliert wird etc. Das Wort "formal" ist der Antagonist von "intuitiv". Wenn man nämlich intuitiv vorgeht, handelt man frei nach Schnauze, "nach Gefühl", statt nach festgelegten Regeln.

Mathematische Bedeutung: In der Mathematik und theoretischen Informatik kann das Wort "formal" wiederum leicht unterschiedliche Bedeutungen haben, abgesehen davon, dass auch Mathematiker den Begriff oft in einem umgangssprachlichlichen Sinn verwenden, der ungefähr dem oben genannten entspricht. Je nachdem, aus welchem Bereich ein Mathematiker stammt, kann er mit dem Begriff "formal" etwas Unterschiedliches meinen. Grundsätzlich bedeutet hier jedoch "formal", dass man sich innerhalb einer axiomatischen Theorie bzw. eines formalen Systems bewegt, also einer Theorie, die alle ihre Annahmen in Form einer Menge von Axiomen macht, die in einer formalen oder zumindest halbwegs formalen Sprache ausgedrückt sind. Wie streng dies nun aber ausgelegt wird, hängt von der jeweiligen mathematischen Disziplin ab.

Eine Definition z.B. ist formal, wenn sie einen Begriff oder ein Konzept entsprechend den Regeln eines formalen Systems definiert, also in der entsprechenden formalen Sprache und unter Verwendung der dort üblichen Ableitungsregeln.

Der Begriff "formal" wird auch im Kontext von Beweisen benutzt. Ein mathematischer Beweis ist formal, wenn er ganz exakt die Ableitungsregeln eines formalen Systems befolgt. Ist auch nur ein einziger Ableitungsschritt ausgelassen, ist der Beweis nicht mehr gültig, denn er lässt sich in dieser Form ja nicht syntaktisch ableiten. Laxerweise sprechen Mathematiker dennoch oft von einem "formalen Beweis", auch wenn große Sprünge in den Ableitungen gemacht werden. Dies tun sie, wenn die ausgelassenen Schritte hinreichend klar sind, so dass ein halbwegs gebildeter Kollege sie einsetzen könnte, wenn er wollte.

Formale Beweise sind nur in Disziplinen möglich, die formalisiert vorliegen, also in Form einer axiomatischen Theorie (bzw. eines formalen Systems). Im Allgemeinen sind formale Beweise (im strengen Sinn) in der Mathematik nicht anzutreffen, da selbst einfache Zusammenhänge sehr komplizierte und sehr lange Beweise haben, wenn man sie formal streng ausführt. Wenn ein Mathematiker so vorgehen würde, wäre er sein ganzes Leben mit dem Beweisen von Sätzen beschäftigt, denen eigentlich keine allzu große Bedeutung beikommt, statt mit Forschung. Daher sind so gut wie alle Beweise in der Mathematik metasprachlich ausgeführt, also intuitiv statt formal. Solchen Beweisen muss man einfach "glauben", denn da sie nicht formal formuliert sind, können sie nicht auf Korrektheit geprüft werden. (Man kann bestenfalls prüfen, ob man den Beweis intuitiv einsieht oder nachvollziehen kann. Daraus folgt jedoch nicht die Korrektheit.)

Muss man überhaupt studieren, um erfolgreich zu sein?

Keineswegs. Die Frage ist: was heißt "erfolgreich"? Es kommt einfach darauf an, was man erreichen möchte: was für einen Job, wieviel Geld, etc. Trivialbeispiel: Wer unbedingt Bäcker werden will, kann das Studieren ruhig vergessen. Wer aber Astrophysiker werden oder ins Management eines Großkonzerns aufsteigen will, kommt um ein Studium nur schwerlich herum.

Ob ein Studium die Jobchancen erhöht, kommt auf den Studiengang an. Geistes- und Sozialwissenschaftler haben es auf dem Arbeitsmarkt weitaus schwerer als etwa Maschinenbauer. Informatiker stehen allgemein ziemlich gut da. Jedoch garantiert ein Studium keinen Arbeitsplatz (geschweige denn einen guten). Es kommt immer auf einen selbst an, wieviel Eigeninitiative man zeigt. Von allein passiert nichts -- wenn es aufwärts gehen soll, muss man arbeiten (wie in der Newtonschen Mechanik).

Geht es im Informatikstudium dauernd um Computer? Muss ich dauernd am Rechner sitzen?

Die Antwort ist ganz klar nein. Am Rechner sitzt man für das Studium eigentlich nur, wenn man einen Programmierkurs macht, eine Seminararbeit schreibt oder Übungszettel runterlädt. Wer keine große Lust auf Rechnerarbeit hat, kann im Informatikstudium gut klarkommen. (Ich zum Beispiel habe da gar keine Lust drauf und fahre damit gut, wenngleich ich natürlich dennoch ab und zu mal Rechnerarbeit machen muss.) Natürlich darf man keine Rechnerfeindlichkeit haben, so wie ein Astronom keine Teleskopfeindlichkeit haben sollte.

Was sollte man studieren, wenn man programmieren will bzw. sich mit Rechnern auskennen will?

Zum Programmieren: Wenn du in die Softwarebranche willst, solltest du Informatik mit Schwerpunkt Softwaretechnik studieren (siehe auch Erläuterungen bei der Frage "Kommt viel Mathe?"). Manche Softwareunternehmen stellen allerdings sehr spezialisierte Software her; in diesen Fällen braucht man zusätzlich zur Softwareausbildung auch noch Ahnung von dem jeweiligen Gebiet. Zu den Rechnern: Wenn du dich damit wirklich auskennen willst, solltest du Informatik mit Schwerpunkt Technische Informatik/Elektrotechnik studieren, oder gleich Elektrotechnik mit Schwerpunkt Informatik.

Sind in der Informatik nur so komische Freaks?

Nein. Das Bild des Computerfreaks ist vor längerer Zeit von Journalisten und Leuten aus Hollywood erfunden und geprägt worden. Die meisten Leute in der Informatik sind ganz normal. Einige kokettieren vielleicht gerne mit dem Image des "Freaks", das heißt, sie verhalten sich manchmal absichtlich so oder kleiden sich so, aber das ist nur Show. Natürlich gibt es auch echte Freaks. Die gibt es aber in jedem Fach, nicht nur der Informatik, und ich denke nicht, dass die Freakdichte bei den Informatikern höher wäre als anderswo.

Lernt man im Studium das Programmieren?

Wie der obigen Aufstellung zu entnehmen ist, ist die Programmierung nur ein kleiner Punkt neben vielen anderen. Alle Unis machen mit ihren Studenten Programmierkurse (und oft auch Softwareprojekte), jedoch bildet einen das nicht zum professionellen Programmierer oder gar Softwareentwickler aus. Letzteres ist eine Qualifikation, die man nur durch Kurse in Softwaretechnik, viel Praxis und Selbermachen erwerben kann, ähnlich wie Klavierspielen: Ein Klavierkurs macht niemanden zum Pianisten, nur das ständige und vor allem selbstständige Üben!

Lernt man im Studium Webdesign?

Nein, zumindest nicht in einem Feld-Wald-und-Wiesen-Informatikstudiengang an einer Universität. Webdesign hat mit Informatik zunächst mal nichts zu tun, genausowenig, wie Printlayout mit Maschinenbau zu tun hat. Bitte bloß nicht den Fehler machen, alle Tätigkeiten, die mit Computern zu tun haben, als "Informatik" zu bezeichnen! ;)

Es gibt Disziplinen namens Webprogrammierung und Webentwicklung, welche man als Teilgebiete der Programmierung und Softwaretechnik betrachten kann. Das ist allerdings etwas anderes als Webdesign.

Mich hat der Hinweis erreicht, dass es gestalterische Studiengänge an FHs gibt, wo man sich mit Webdesign auseinandersetzt. Auch gibt es FH-Studiengänge, die sich im Schwerpunkt mit Webentwicklung beschäftigen. Wie es an Universitäten damit aussieht, weiß ich nicht, mir ist jedenfalls nichts bekannt. Zugehöriges Stichwort: Medieninformatik.

Lernt man im Studium, wie man Netzwerke aufbaut und verwaltet?

Im Allgemeinen nicht. Manche Universitäten bieten einsemestrige Praktika an, in denen man sich praxisnah mit Netzwerken auseinandersetzt, jedoch ist das eine Privatangelegenheit der jeweiligen Universitäten. Im Allgemeinen lernt man über Netzwerkadministration nichts, und das ist auch gut so, denn Netzwerkadministration gehört nicht zur Informatik. Wie man eine Textverarbeitung benutzt, ist ja auch nicht Teil der Softwaretechnik!

Wie auch beim Thema Webdesign mag es aber durchaus FH-Studiengänge geben, die einen Schwerpunkt auf Netzwerke legen. Auch hier ist mir an Universitäten nichts bekannt. Du könntest nach dem Stichwort Telematik suchen.

Ich interessiere mich für Theoretische Informatik. Soll ich eher Mathematik oder Informatik studieren?

Das hängt ganz von deinen Neigungen ab, bzw. von deinen Interessen. Mathematik legt einen völlig anderen Schwerpunkt als Informatik. Im Mathematikstudium macht man sehr vieles, was recht "informatikfern" ist. An diesen Dingen musst du echtes Interesse haben, sonst hat es keinen Sinn. Ich würde sagen, du musst dazu innerlich "mehr Mathematiker" als Informatiker sein. Wenn dein Interesse mehr auf informatischer Seite liegt, dann empfehle ich dringend, Informatik mit Schwerpunkt Mathematik/Theorie zu studieren. Dazu sollte man eine Universität aussuchen, die in diesem Bereich möglichst stark aufgestellt ist (die also möglichst viele Professuren mit Theoriebezug aufzuweisen hat).

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen "Praktischer" und "Angewandter Informatik"?

Der Praktische Informatiker beschäftigt sich mit Themen, die zur Informatik selbst gehören. Der Angewandte Informatiker hingegen beschäftigt sich hauptsächlich mit Problemen, die nicht zur Informatik gehören, sondern zu anderen Disziplinen (z.B. Biologie, Geologie oder Medizin), und versucht sie anhand informatischer Methoden zu lösen. Kurz gesagt, es geht in der Angewandten Informatik um die Anwendung der Informatik in informatikfremden Gebieten.

Soll ich "normale" Informatik oder eher Wirtschaftsinformatik studieren?

Ich nehme an, dass du diese Frage in Hinblick auf die späteren Jobchancen stellst. Diese Herangehensweise ist kritisch, denn man sollte nicht nur auf den Arbeitsmarkt achten, sondern auch darauf, ob man sich überhaupt mit dem jeweiligen Fach arrangieren kann. Wenn man sich z.B. für Wirtschaftsinformatik entscheidet und das dann einfach nur ätzend findet, hat man später auch keine guten Jobchancen.

Der Hauptunterschied zwischen "normaler" Informatik und der Wirtschaftsinformatik ist, dass erstere breiter orientiert ist, während man in letzterer einen starken Fokus auf Angewandte Informatik und BWL legt. Das macht für einen Studenten nur Sinn, wenn er definitiv einen inneren Draht zu Wirtschaft und den entsprechenden Fragestellungen hat. Das betriebswirtschaftliche Denken sollte einem Spaß machen. Wirtschaftsinformatiker beschäftigen sich tendenziell weniger mit Informatik als "reine" Informatiker, sondern mehr mit den spezifischen Problemen bestimmter Unternehmen. Das zeigt sich bisweilen auch im Studium: Manche Studiengänge reduzieren den Informatikgehalt auf ein Minimum und machen fast nur Wirtschaft.

Auf dem Arbeitsmarkt hat man als Wirtschaftsinformatiker prinzipiell gute Chancen, allerdings als "reiner" Informatiker ebenso. Denn auch im "normalen" Informatikstudium setzt man Schwerpunkte und konzentriert sich auf ein Gebiet, das einem besonders liegt und Spaß macht. Man hat also auch dort alle Chancen, in einem bestimmten Gebiet richtig gut zu werden und entsprechend hohe Jobchancen zu erreichen.

Letztendlich lautet die Antwort meiner Ansicht nach: Ich würde Wirtschaftsinformatik studieren, wenn ich mich für Wirtschaft und Informatik gleichermaßen interessiere (und vielleicht sogar für Wirtschaft einen Tick mehr).

Worüber darf ich nicht enttäuscht sein, wenn ich das Informatikstudium beginne?

An Universitäten geht es hauptsächlich um theoretische Betrachtungen. Das ist kein Wunder oder gar Mangel: Professoren sind Wissenschaftler, die den Dingen auf den Grund gehen und ihre Ursachen und Zusammenhänge ergründen wollen! Sie stellen daher Konzepte vor, Denkweisen und Methoden. Sie werden aber nur selten konkrete Probleme und deren konkrete Lösungen vorstellen, denn in der Wissenschaft geht es nicht um den Einzelfall (eine "Wissenschaft der Einzelfälle" ist ein Widerspruch in sich), sondern um die Gesetze, die allen Dingen gemeinsam zugrunde liegen.

Das heißt konkret: Wenn man beispielsweise eine Vorlesung über "Künstliche Intelligenz" besucht und dann enttäuscht ist, dass dort nur Mathematik gemacht anstatt ein KI-Programm entwickelt wird, ist man an der Uni nicht unbedingt richtig. An Akademiker wird der Anspruch gestellt, dass sie allgemeine Prinzipien verstehen können und diese dann selbstständig auf konkrete Probleme übertragen. Diese Selbstständigkeit ist die entscheidende Qualifikation eines (guten) Akademikers. Wer sagt "ich möchte, dass man mir eine Problemlösung vormacht, und ich mache das dann nach", der ist an der Uni sehr falsch (wirklich sehr).

Was unterscheidet das Informatikstudium von der Informatik an der Schule?

Der große Unterschied besteht einerseits im gehobenen Niveau und einer anderen Priorität (es ist formaler und theoretischer) und andererseits in der von Studenten allgemein erwarteten Selbstständigkeit. Man wird an der Uni nicht mehr als Schüler betrachtet, den es zu schonen gilt, weil er ja noch neu auf der Welt ist und vieles noch nicht wissen kann. Ein Student wird als Erwachsener betrachtet, der eine professionelle, wissenschaftlich fundierte Ausbildung erhalten will (wohlgemerkt will, nicht muss!). Professoren verhalten sich selten wie Lehrer oder Pädagogen. Das ist weder ihr Auftrag noch ihr Selbstverständnis. Viele erwarten von ihren Studenten, dass sie das Interesse für die Sache selbst mitbringen (im Gegensatz zu Lehrern, die es versuchen zu wecken) und sich selbstständig um sämtliche Belange des Studiums kümmern -- wie man das eben auch im Beruf machen muss.

Werde ich an der Uni genauso gut sein wie an der Schule?

Meine Erfahrung sagt, dass in der Uni ein großer RESET-Knopf gedrückt wird. Ich habe Leute erlebt, die in der Schule als Leistungskurse Mathe und Physik hatten und dann an der Uni in Informatik nicht klarkamen -- und ebenso Leute, die in der Schule mit Mathe oder Informatik nichts am Hut hatten und dann an der Uni zu den Besten gehören. Man kann die Erfahrungen an der Schule nicht auf die Uni übertragen, es geht einfach von vorn los. Man hat alle Chancen und alle Risiken.

Muss ich in der Schule als Leistungskurse Mathe und Informatik gehabt haben, um erfolgreich Informatik studieren zu können?

Nein. Notwendig ist nichts davon. Ich persönlich zum Beispiel hatte in der Schule Deutsch und Englisch als Leistungskurse und keinerlei Probleme deswegen im Informatikstudium. (Programmierung hatte ich während meiner Schulzeit als Hobby betrieben und daher in diesem Gebiet schon Kenntnisse.) Allerdings ist es natürlich grundsätzlich nicht falsch, wenn man mehr Vorahnung hat, und ich möchte auch niemandem davon abraten. Aber das ist auch schon alles. Siehe auch die anderen Schulfragen.

Ist Informatik schwer?

Bevor ich was dazu sage: Ich würde die Frage "Ist Informatik schwer?" lieber gar nicht erst stellen. Wenn man das macht, bekommt man nämlich meist in Wirklichkeit eine Antwort auf die Frage "Fällt dir Informatik schwer?", die aber gar nicht gestellt wurde. Es gibt zwei Extreme: Manche behaupten "Informatik ist hammerschwer!", andere sagen "Ach, das ist total locker." Mit solchen Informationen lässt sich überhaupt nichts anfangen. Aber gut, du willst trotzdem eine Antwort. Im folgenden versuche ich nun, möglichst allgemein zu antworten.

Tja, also -- zumindest ist diese Frage schwer zu beantworten. Zunächst einmal mache man sich klar, dass jedes Studium schwer sein kann, unabhängig vom Fach -- nämlich dann, wenn der Student oder die Studentin eigentlich gar nicht so recht Lust dazu hat und es deswegen nur halbherzig betreibt. Dann kann man nämlich so schlau sein, wie man will -- ohne persönlichen Einsatz wird es nichts.

Die Informatik hat sehr viele verschiedene Seiten, die jedem Studenten unterschiedlich schwerfallen. Für manche sind die unangenehmsten Fächer die mathematischen, für andere sind gerade das die Fächer, die ihnen am meisten Spaß machen. Das ist so subjektiv, dass man dazu kaum etwas sagen kann. Prinzipiell würde ich das Informatikstudium nicht allgemein "schwer" nennen, denn die Informatik besteht aus so vielen unterschiedlichen Bereichen, dass man fast sicher etwas Passendes für sich finden kann (also etwas, was einem relativ leicht fällt und wo man Erfolge erzielt). Es gibt höchstens einzelne Vorlesungen, die man vielleicht machen muss, obwohl sie einem nicht liegen -- aber das sollte mit genügend Einsatz in den meisten Fällen zu schaffen sein. Es kommt also sehr auf die eigene Motivation an. (Siehe auch die nächste Frage bzgl. Qualifikation.)

Ich denke, man sollte auf keinen Fall etwas studieren bzw. versuchen etwas zu studieren, was man persönlich als schwer empfindet. Denn das wird sicher nicht funktionieren. Das heißt, ich würde dem eigenen Empfinden besondere Bedeutung beimessen. Wenn man noch gar nicht weiß, ob man Informatik als schwer empfindet oder nicht, dann würde ich sagen: Man kann nicht alles im Voraus wissen, irgendwann muss man es einfach probieren. Und wenn man scheitert, ist das in Ordnung -- ich sag einfach, man darf ruhig hinfallen, man muss nur wieder aufstehen. (Falls einem die Familie und/oder das Geld im Nacken sitzen, ist das alles natürlich nicht so einfach.)

Bin ich qualifiziert, Informatik zu studieren?

Natürlich ist es klar, dass man außer Motivation auch ein gewisses Mindesttalent braucht. Folgendes sind Ausschlusskriterien (wenn etwas davon auf dich zutrifft, hast du schlechte Aussichten in der Informatik bzw. musst erstmal den Mangel abstellen):

Wenn diese Ausschlusskriterien nicht auf dich zutreffen, hast du schonmal ganz gute Chancen in der Informatik.

Ich denke, falls du mit der Schule bereits fertig bist und das Abitur gemacht hast, solltest du auch folgende Aufgabe lösen können (natürlich ohne Nachschlagen):

Der größte gemeinsame Teiler ggT(a,b) zweier nicht-negativer ganzer Zahlen a und b sei die größte Zahl x, für die gilt: x teilt a und x teilt b, jeweils ohne Rest. Dabei gelten bekanntlich die Eigenschaften

  1. ggt
  2. ggt
  3. ggt
Beweise Eigenschaft 3. Aus diesen Regeln lässt sich nun direkt ein Algorithmus ableiten zur Berechnung des ggT, er steht quasi schon da. Wie sieht er z.B. in Pseudocode oder einer Programmiersprache deiner Wahl aus, und wie sieht er aus, wenn man ihn iterativ formuliert, also ohne Funktionsaufrufe?

Kommt im Informatikstudium viel Mathe? Ich will doch nur programmieren!

Erfahrungsgemäß wird das Informatikstudium oft von Leuten begonnen, die wenig Lust auf Mathematik haben. Man muss leider schon sagen, dass das eine schwierige Einstellung ist.

Im Prinzip kommt nicht viel Mathe: Im Bachelorstudium schreiben viele Unis ihren Studenten lediglich vier Grundvorlesungen in Mathematik vor, in denen es um Lineare Algebra, Analysis, diskrete Strukturen und Stochastik geht. Zusätzlich muss man oft noch etwa drei Vorlesungen aus der Theoretischen Informatik hören (die allerdings nicht unbedingt mathematisch streng gestaltet sind, je nach Prof). Besagte mathematikfeindliche Studenten finden das meist alles schon "zu viel", "sinnlos" und "umsonst".

Diese Einstellung haben so gut wie immer Leute, die sagen "ich will programmieren lernen" bzw. "ich will doch nur programmieren". Denjenigen kann man nur sagen: Dann seid ihr an der Universität bzw. im Studium falsch, denn zum Programmieren muss man gar nicht Informatik studiert haben. Man muss dazu gar nichts studiert haben, programmieren kann man auch so, und das -- je nach persönlichem Talent -- durchaus auf gutem Niveau. Jetzt höre ich schon die Frage: Wozu ist denn dann das Informatikstudium gut? Tja, das ist folgendermaßen. Stellen wir uns einen Bildhauer und seinen Meißel vor. Kann ein Bildhauer allein deswegen, weil er sehr gut meißeln kann, bereits ein anspruchsvolles Kunstwerk schaffen, das den Kritikern standhält und einen hohen Preis auf dem Kunstmarkt erzielt? Nein, nicht ohne weiteres: Dazu muss er nämlich nicht nur Handwerker, sondern zusätzlich noch Künstler sein.

Dieses Bild überträgt sich 1:1 auf den Softwaretechniker. Programmieren ist ein Handwerk, das notwendig ist und das man beherrschen muss -- jedoch kann ein Programmierer, egal wie gut er ist, nicht einfach eine gute Software entwerfen. Dazu braucht er nämlich noch softwaretechnische Expertise. Diese Expertise kann er sich in jahrelanger, mühseliger Arbeit an unzähligen Keyboards unzähliger kleiner Softwareklitschen erwerben, ohne ordentlich bezahlt zu werden und mit oftmals schlechter Perspektive, oder er kann Informatik mit Schwerpunkt Software studieren und dann gleich ein paar Stufen höher einsteigen, mit besserer Bezahlung und besserer Perspektive -- und noch dazu mit mehr Ahnung. Und warum dann Mathematik? Tja: Die Mathematik ist zum einen auch in der Programmierung und der Softwaretechnik an manchen Ecken und Enden notwendig (manchmal durchaus nicht zu knapp), und zum anderen ist sie eine wichtige Denkschule und ein guter Verbündeter, der überall dort weiterhilft, wo man mit Vernunft allein nicht mehr weiterkommt.

Kurz: Das Informatikstudium macht den talentierten Handwerker zum Künstler. (Zumindest in Bezug auf Softwaretechnik. Es gibt natürlich noch viel mehr als das.) Die Mathematik sorgt dafür, dass man in die Lage versetzt wird, auch solche Softwareprobleme zu lösen, die den Bereich des Trivialen verlassen haben.

Welches Vorwissen sollte ich mitbringen?

Welche Programmiersprache sollte ich lernen, um mich auf das Studium vorzubereiten?

Die meisten Unis machen in ihren Programmierkursen Java, daher ist das selten eine falsche Wahl. Ebenfalls gelehrt werden C und C++. Das ist oft dozentenabhängig. Weitere Sprachen, die ab und zu auftauchen, sind Haskell, Prolog und MATLAB. Mehr Auskunft bieten normalerweise die Vorlesungsverzeichnisse der Universitäten.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass man im Studium irgendwann sicher auch SQL und LaTeX brauchen wird.

Wann bin ich im Informatikstudium falsch?

Man ist falsch, wenn man (a) falsche Erwartungen hat (z.B., dass man eine Art IT-Ausbildung erhält und Technologiekompetenz vermittelt bekommt), oder wenn man (b) keinen Bezug zur Materie hat. Etwas ausführlicher: Wer nur deswegen Informatik studieren will, weil in irgendeiner Zeitung gerade steht "am Arbeitsmarkt fehlen 30.000 Informatiker", der macht wahrscheinlich einen Fehler. Schon allein deswegen, weil man nicht weiß, wie sich der Arbeitsmarkt innerhalb von 5 Jahren Studium entwickelt; aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Man kann ein solches Studium nur dann erfolgreich absolvieren, wenn man einen persönlichen Draht zur Sache hat. Sonst bringt man kaum genügend Motivation auf.

Was ist die Zauberformel für ein erfolgreiches Studium?

Du willst schlaue Ratschläge? Bitte sehr:

Lerne ich im Informatikstudium Frauen kennen?

Nein.

Warum? Bzw.: Warum sind so wenig Frauen in der Informatik?

Frauenanteil in der Informatik: ca. 10 bis 12%. Hier lasse ich jetzt einfach mal meine persönliche Erfahrung sprechen:

Stellen wir uns eine zufällig ausgewählte Frau vor, die sich überlegt, was sie studieren soll. Mehr wissen wir nicht über sie. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich für Informatik, Physik oder Maschinenbau interessiert, weit geringer, als etwa die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich für Mathematik interessiert. (Wobei Informatik wahrscheinlich noch besser abschneidet als Physik und Maschinenbau.) Warum ist das so?

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Frauen durchschnittlich ein weit geringeres Interesse an Technik haben als Männer. Woher dieses geringere Interesse kommt, ist eine andere Frage. Es könnte an der Erziehung liegen, gesellschaftlich verursacht sein oder auch genetisch bedingt sein. Das ist jetzt mal egal. Frauen scheinen von Technik nichts wissen zu wollen, warum auch immer. Entsprechend habe ich den Eindruck, dass diejenigen Frauen, die in der Informatik tätig sind, eher in der theoretischen als der praktischen oder gar technischen anzutreffen sind, sich also nicht mit technischen bzw. ingenieursmäßigen, sondern mathematisch-abstrakten Fragen auseinandersetzen. Das geht konform mit der Beobachtung, dass Frauen auch sehr gerne Sprachen sowie geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer studieren, wo man sich ja ebenfalls in abstrakten Begrifflichkeiten bewegt.

These: Frauen scheinen mehr schöngeistig veranlagt zu sein. Ein Gedicht zu interpretieren gefällt ihnen besser als einen Stahlträger zusammenzuschweißen. Antithese: Nein, Frauen würden liebendgerne Stahlträger schweißen, wenn man es ihnen nicht ausreden würde. Synthese?

Stellen wir uns vor, die Antithese sei korrekt, und auf einmal wird das Ruder rumgerissen und Frauen wird nicht mehr eingeredet, sie müssten mit Barbies spielen statt sich mit Schlamm zu bewerfen. Würde nun, sagen wir, in 100 oder 200 Jahren eine Frauenquote von mindestens 50% erzielt? Ich glaube nicht, ich vermute weniger. Sonst würde das bedeuten, dass die heute existierenden weiblichen Menschen (sind Frauen überhaupt Menschen?) quasi gar keinen eigenen Anteil an ihrer Persönlichkeit haben. Diese wäre vollständig fremdbestimmt, und eine derart totale Kontrolle der eigenen Person durch die Gesellschaft halte ich für übertrieben und unwahrscheinlich. Die Gesellschaft hat natürlich einen großen Einfluss, aber nicht einen so totalen. Daher gehe ich davon aus, dass ein signifikanter Teil der weiblichen Technikaversion durchaus dem Weibe selbst entstammt.

Meine Synthese lautet daher: Der Grund ist eine Kombination aus allen drei Faktoren: Erziehung, Gesellschaft und genetische Veranlagung, wobei die genetische Veranlagung einen deutlichen Beitrag leistet.

Ich stehe dem Aufruf "Mehr Frauen in die Informatik" kritisch gegenüber. Einerseits ist es richtig, Mädchen darauf hinzuweisen, dass sie auch Informatik studieren könnten. Andererseits darf man ihnen nicht einreden, die moderne Frau von heute müsse auf jeden Fall die sogenannten Männerdomänen erobern. Denn was, wenn sie das gar nicht will? Dann zwingt die Gesellschaft sie mit diesem Frauenbild in eine Rolle, die sie nicht möchte bzw. verleitet sie dazu, sich als "schlechte moderne Frau" zu fühlen.

Zufälligerweise habe ich, just nachdem ich diesen Text geschrieben habe, genau zu diesem Thema ein Interview in der Technology Review vom April 2012 gefunden. Es geht um eine Studie, die von einem Pädagogen der Uni Rostock durchgeführt wird. Was er sagt, interpretiere ich als Bestätigung meiner Erfahrung. Insbesondere sagt er, dass auch die skandinavischen Länder, "die seit vielen Jahren eine sehr engagierte Frauenförderung haben", nur eine Frauenquote von maximal 28% erreichen, im Vergleich zu 22% bei uns.


© TR. last modified: Sun 06 Jan 2013 00:58:06 CET